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Faire Zuteilung nach Erst-, Zweit- und Drittwunsch einfach erklärt

Was ist fair, wenn nicht alle ihren Erstwunsch bekommen? Zwei Ziele, ein Rechenbeispiel und wie Sie das Ergebnis Eltern und Schülern erklären.

6 Minuten Lesezeit Stand: 26. Oktober 2026

Sobald eine AG mehr Erstwünsche hat als Plätze, können nicht alle bekommen, was sie wollen. Die Frage ist dann nicht mehr, ob jemand enttäuscht wird, sondern wer und wie stark. Genau hier entscheidet sich, ob eine Verteilung als fair empfunden wird.

1. Zwei Vorstellungen von fair

Fragt man im Kollegium, was eine faire AG-Verteilung ist, bekommt man meist eine von zwei Antworten:

  • „Möglichst viele sollen ihren Erstwunsch bekommen.“ Hier zählt das Gesamtergebnis. Wenn dafür einzelne nur ihren Drittwunsch bekommen, ist das in Ordnung.
  • „Niemand soll ganz hinten landen.“ Hier zählt der Schutz der Einzelnen. Lieber bekommen einige ihren Zweit- statt ihren Erstwunsch, wenn dafür niemand nur seinen Drittwunsch erhält.

Beide Sichtweisen sind gut begründet, und sie führen tatsächlich zu unterschiedlichen Ergebnissen. Deshalb lohnt es sich, die Entscheidung bewusst zu treffen, statt sie dem Zufall der Verteilung zu überlassen.

2. Zufriedenheit messen

Um Verteilungen vergleichen zu können, hilft eine einfache Punkteregel:

ErgebnisPunkte
Erstwunsch3
Zweitwunsch2
Drittwunsch1
eine andere oder keine AG0

Die erreichte Summe geteilt durch den Höchstwert, also alle mit ihrem Erstwunsch, ergibt die Zufriedenheit in Prozent. Genauso rechnet auch Schülerwahl.com die Zufriedenheit nach einer Zuteilung aus. Der Wert allein sagt aber nicht alles, wie das folgende Beispiel zeigt.

3. Ein Rechenbeispiel

Vier Schüler, vier AGs mit je einem Platz. Jeder gibt drei Wünsche ab:

Schüler1. Wunsch2. Wunsch3. Wunsch
AnnaRobotikChorSchach
BenSchachTheaterRobotik
CemSchachTheaterChor
DilaTheaterRobotikChor

Schach ist doppelt als Erstwunsch gewählt, der Chor von niemandem. Es gibt also keine Verteilung, bei der alle ihren Erstwunsch bekommen. Die beiden besten Verteilungen sehen so aus:

SchülerZiel A: möglichst viele ErstwünscheZiel B: möglichst wenige Drittwünsche
AnnaRobotik (1. Wunsch)Chor (2. Wunsch)
BenSchach (1. Wunsch)Schach (1. Wunsch)
CemChor (3. Wunsch)Theater (2. Wunsch)
DilaTheater (1. Wunsch)Robotik (2. Wunsch)
Erstwünsche3 von 41 von 4
Drittwünsche1 von 40 von 4
Zufriedenheit10 von 12 Punkten (83 %)9 von 12 Punkten (75 %)

Ziel A erreicht den höheren Wert und erfüllt drei Erstwünsche, dafür bekommt Cem nur seinen Drittwunsch. Ziel B verzichtet auf zwei Erstwünsche, damit niemand mit seinem Drittwunsch dasteht. Keine der beiden Verteilungen ist falsch. Sie beantworten nur die Frage nach der Fairness unterschiedlich.

4. Welches Ziel passt zu Ihrer Schule?

Möglichst viele Erstwünsche, wenn …Möglichst wenige Drittwünsche, wenn …
die AGs ähnlich attraktiv sind und ein Drittwunsch keine große Enttäuschung istdie AGs sehr unterschiedlich sind und ein Drittwunsch als „Notlösung“ empfunden wird
die AG nur ein Halbjahr oder eine Projektwoche lang dauertdie AG ein ganzes Schuljahr läuft
Sie die Gesamtzufriedenheit als Kennzahl nutzen möchtenjüngere Klassen wählen, bei denen Enttäuschungen schwerer wiegen

In der Praxis liegen die Ergebnisse beider Ziele oft nah beieinander. Den Unterschied merken Sie vor allem bei stark überbuchten AGs.

5. Was Sie besser vermeiden

  • Losen in mehreren Runden. Wer beim Erstwunsch verliert, findet beim Zweitwunsch oft schon alles voll. Das Ergebnis hängt dann stark vom Glück ab, siehe das Beispiel im Artikel AG-Wahl mit Forms und Excel.
  • Vorrang nach Abgabezeitpunkt. Wer zuerst wählt, ist nicht unbedingt motivierter, sondern hatte vielleicht nur zuerst ein Handy zur Hand.
  • Unangekündigte Sonderregeln. Vorrang für ältere Stufen oder für Schüler, die letztes Mal leer ausgingen, kann sinnvoll sein. Er muss aber vorher bekannt sein.

6. Nichtwähler und feste Plätze

Zwei Sonderfälle sollten Sie vor dem Verteilen regeln:

  • Schüler ohne Abgabe: Wer gewählt hat, sollte immer zuerst einen Platz bekommen. Danach können Nichtwähler zufällig auf die freien Plätze verteilt werden oder außen vor bleiben, bis sie sich melden. Beides ist vertretbar, solange es vorher angekündigt ist.
  • Feste Plätze: Muss jemand in eine bestimmte AG, etwa aus pädagogischen Gründen, wird er vorher fest eingetragen. Die übrige Verteilung rechnet dann mit den verbleibenden Plätzen.

In Schülerwahl.com legen Sie beides direkt beim Zuteilen fest: Nichtwähler bleiben außen vor oder werden zufällig auf freie AGs verteilt, die ihre Klasse wählen darf, und fest zugewiesene Schüler behalten ihre AG bei jeder Zuteilung.

7. So erklären Sie das Ergebnis

Die meisten Nachfragen lassen sich mit drei Sätzen beantworten. Wenn Sie mögen, übernehmen Sie diese Formulierung:

Formulierung für Eltern und Schüler

Alle Wünsche wurden gleich behandelt, der Zeitpunkt der Abgabe spielte keine Rolle. Die Verteilung wurde so berechnet, dass [möglichst viele ihren Erstwunsch bekommen / möglichst niemand nur seinen Drittwunsch bekommt]. Insgesamt haben [X] von [Y] Schülerinnen und Schülern einen ihrer drei Wünsche erhalten, [Z] davon ihren Erstwunsch.

Dafür brauchen Sie nach der Verteilung nur zwei Zahlen: wie viele welchen Wunsch bekommen haben und die Zufriedenheit. Schülerwahl zeigt beides direkt nach der Zuteilung an.

Häufige Fragen

Warum bekommt nicht jeder seinen Erstwunsch, obwohl es genug Plätze gibt?

Genug Plätze insgesamt heißt nicht genug Plätze in jeder AG. Wählen 40 Schüler Robotik und die AG hat 10 Plätze, bekommen 30 von ihnen einen anderen Wunsch, auch wenn anderswo noch viel frei ist.

Spielt es eine Rolle, wann man abstimmt?

Bei einer Wahl mit Wünschen nicht. Verteilt wird erst nach dem Ende der Wahl, und dann zählen alle abgegebenen Wünsche gleich. Anders ist es bei einer direkten Wahl, bei der jede AG voll ist, sobald alle Plätze vergeben sind.

Können Freunde gemeinsam in eine AG?

Garantieren lässt sich das bei einer Wahl mit Wünschen nicht. Wählen beide dieselbe AG als Erstwunsch, landen sie aber bei ausreichend Plätzen meist zusammen.

Die nächste Wahl ohne Zettel und Excel

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